Die kreative Reise


Brotlose Kunst

Kann man von der Schrifstellerei leben oder verschwendet man damit nur kostbare Lebenszeit?

In den Köpfen und Vorstellungen vieler Menschen ist ein Schriftsteller jemand, der den lieben langen Tag in einem kleinen Landhaus vor dem Schreibtisch sitzt, aus dem Fenster auf einen idyllischen See blickt und an einer alten, klapprigen Schreibmanschine den nächsten Weltbestseller fabriziert.

Nebenbei plant sein Agent noch die nächsten Lesungen und Autogrammstunden und die liebende Ehefrau fährt gerade im neuen Jaguar die Kinder zum Flughafen, damit sie pünktlich zurück ins Schweizer Internat kommen.

Klingt gut - aber das ist ein Punkt, den nur die allerwenigsten erreichen.

Ob das erstrebenswert ist oder nicht, ist noch eine ganz andere Frage - aber das entscheidet natürlich jeder für sich.

Zuerst eimal ist es für jeden der gerne schreibt sehr schwer, damit auch nur einen Euro zu verdienen.
Vielleicht gewinnt man mal einen Literaturwettbewerb oder schreibt etwas im Auftrag und wird dafür entlohnt. Und mit den heutigen Möglichkeiten, seine Werke selber über diverse Anbieter (zumeist als eBook) zu vertreiben, wird es auch um einiges einfacher, einen Roman oder ein Sachbuch wirklich zu veröffentlichen.

Aber auch das bedeutet ja nicht, dass man ab sofort nicht mehr arbeiten gehen muss. Sogar Verlage veröffentlichen gelegentlich Bücher, die keiner haben will. Und selbst wenn ein Buch eines Schriftstellers ein großer Erfolg ist, garantiert das nicht, dass die nächsten Werke auch einschlagen wie eine Bombe.

Und ob es sich von einer erfolgreichen Veröffentlichungen leben lässt, sollte stark bezweifelt werden.

Man merkt also: obwohl es unzählige Neuveröffentlichungen jeden Monat gibt, ist die Zahl derer, die ausschliesslich vom Schreiben leben können sehr gering.

Aber schreibt man eigentlich nur um ein gefeierter Star zu werden? Oder anders gefragt: Warum schreibt man eigentlich?

Die Eltern trichtern einem die ganze Jugend über ein, dass man eine vernünftige Ausbildung machen, erfolgreich studieren oder zumindest ordentlich arbeiten gehen soll.

In Anbetracht der Tatsache, dass das Schreiben an sich eben nicht zu unendlichem Reichtum verhilft, sind diese Ratschläge auch absolut richtig.

Aber (fast) jeder Künstler, der heute sein Geld mit Singen, Malen, Schreiben oder einer anderen Kunstform verdient, hat diese Dinge von seinen Eltern auch gehört. Und zum Glück hat er sie ignoriert oder nebenbei weiter an seinem Traum gearbeitet.
Denn meist ging es dabei nicht um den schnöden Mammon, sondern darum sich auszuleben und heraus zu lassen, was man im Geist oder im Herzen mit sich herum trägt.

Und genau das sollte auch der Haupt-Beweggrund für angehende Schriftsteller sein: Der Spaß daran Geschichten zu erzählen oder sein Wissen zu teilen.
Wer ausschliesslich Geld verdienen will, der sollte sich womöglich besser bei der nächsten Casting-Show im Fernsehen anmelden und versuchen Popstar zu werden - die Chancen sollte da besser stehen, egal ob mit oder ohne Talent...

Als Antwort auf die eingangs gestellte Frage lässt sich also folgendes sagen: Man verdient aller Voraussicht nach leider nicht wirklich genug Geld mit der Schrifstellerei, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber man verschwendet definitiv keine Zeit. Denn man schreibt zum einen für seine eigene Befriedigung. Und zum anderen um die Menschen, die die geschaffenen Werke lesen zu unterhalten - egal ob es zehn oder zehntausend sind.

2.7.14 12:33

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